Solo-Biwaktour in der herbstlichen Südheide

Im Sommer 2015 waren wir mit den Rädern in der Südheide unterwegs, dem südöstlichen Teil der Lüneburger Heide, um die Heideblüte zu erleben. Wir sind dabei eine schöne Runde in der Nähe von Hermannsburg gefahren, die landschaftlich sehr attraktiv ist und einige Heide-Highlights zu bieten hat. Und da ich unbedingt 2015 noch alleine eine Herbsttour machen wollte, fiel die Wahl schnell auf diese Region. Die Heide in tollen Herbstfarben zu erleben und das Ganze mit einer Biwaktour zu verbinden, klang für mich nach einem guten PlanDraußen sein, die Ruhe genießen und den Herbst in seiner ganzen Schönheit erleben. Und warum nicht über Halloween alleine durch die Heide wandern? Gruseln sollen sich die anderen. Außerdem war für das Wander-Wochenende fantastisches Wetter angekündigt. Also perfekte Bedingungen für eine Herbstwanderung!

Im August hatten Heike und ich uns in einem Hotel in Hermannsburg eingemietet, von wo aus man schnell viele Ziele erreichen kann. Hermannsburg bot sich also wieder als Ausgangspunkt an. Ich habe mir über Gpsies.com einen schönen Track zusammengestellt, der alle Highlights, die ich sehen wollte, beinhaltete. Ich habe die Strecke über Gpsies extra so gewählt, dass ich möglichst wenige Asphaltwege und fast nur Wander- oder Feldwege laufen kann. Im Sommer hatte ich eine schöne Stelle mit einem Unterstand gesehen und der erste Tag sollte genau dort enden. An einer Hütte sollte es kein Problem sein, ein Tarp für ein Biwak aufzubauen, ohne dass man gleich Ärger mit den Offiziellen bekommt. Als Startpunkt war eine Kanueinsatzstelle an der Örtze perfekt, denn dort konnte ich problemlos mein Auto für die zwei Tage abstellen. Außerdem habe ich mir noch eine Stelle markiert, an der ich meinen Trinkwasservorat wieder auffüllen konnte, denn ich hatte keine Lust Wasser für zwei Tage zu schleppen. Und da ich am Abend etwas Warmes kochen wollte, musste am nächsten Morgen irgendwann frisches Wasser für den zweiten Tag her.

Vom Weesener Bach zur Misselhorner Heide und dem Tiefental

Kurz nach dem Start an der Örtze kam ich an einen kleinen Nebenbach der Örtze, der sich im Naturschutzgebiet Weesener Bach befindet. Entlang des auch „Lutterbach“ genannten Gewässers läuft man ein schönes Stück durch Wald, immer am Bach längs. Für Kneipp-Freunde gibt es gleich zu Beginn des Weges auch eine angelegte Stelle zum Wassertreten. Am Waldrand entlang läuft es sich sehr schön immer in Richtung Misselhorner Heide. Dafür muss man einmal die Kreisstraße K17 queren, bevor man am Wanderparkplatz Misselhorner Heide ankommt. Die Misselhorner Heide ist Teil des Naturschutzgebiets „mittleres Lüßplateau“ und hat ein paar wunderschöne Heideflächen, die man sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad erkunden kann. Wobei man mit dem Rad an der einen oder anderen Stelle schieben muss. Denn die Wege sind teilweise sehr sandig. Ein Highlight in der Misselhorner Heide ist das Tiefental. Eine Vertiefung, die man so nicht erwartet, die aber einen ganz besondern Charme hat. Im Sommer ist hier immer einiges los, denn dieser Hotspot wird überall stark beworben. Im späten Herbst ist naturgmäß weniger los. Wobei ich mich bei Annäherung an das Tiefental über ein komisch summendes Geräusch gewundert hatte. Das ganze hat sich dann aber schnell aufgelöst. Denn die Heidetouristiker haben genau an der Stelle mit einer Drohne Videoaufnahmen vom Tiefental gemacht. Es war schon lustig anzusehen, wie die kleine Gruppe Wanderer immer wieder den Berg rauf und runterlaufen mussten, bis alle Einstellungen perfekt waren.

Durchs mittlere Lüßplateau Richtung Lutterloh

Nach der Runde durch die Misselhorner Heide ging es weiter Richtung Lutterloh. Das schöne an einer Herbsttour sind zweifelsohne die tollen Farben der Bäume und Sträucher. Wenn man den richtigen Zeitpunkt erwischt, dann haben die Bäume schon eine kräftige Herbstfärbung aber auch noch genügend Blätter an den Ästen, dass man das Farbenspiel noch bewundern kann. Ich hatte mit dem Wetter echt Glück, denn es gab das ganze Wochenende über strahlenden Sonnenschein, der die Farben so richtig toll zu Geltung brachte. Vor allem die Birken und Lärchen bieten einen tollen Kontrast zu den für die Heide typischen Wacholder oder Kiefern. Der Herbst hat aber noch weitere Vorteile für Wanderer. Es ist nicht mehr so warm beim Laufen. Und man hat seine Ruhe. Selbst in der Misselhorner Heide, in der wir im August noch zahlreiche Wanderer und Radler angetroffen hatten, war es menschenleer. Mal von dem Videoteam abgesehen 😉 Aber mir ist am ersten Tag auf meiner Strecke nur einmal ein älteres Paar auf Fahrrädern entgegen gekommen. Ansonsten war es herrlich ruhig. Genau das was ich wollte. Mal zwei Tage nur für mich, draußen sein und die Ruhe und frische Luft genießen. Zeit für sich und seine Gedanken.

Richtung Lutterloh ging es fast nur durch Wald. Einige Teile hatte ich bewusst über kleinere Waldwege gelegt, denn es war ja Halloween und ein bisschen Grusel musste schon sein. Hier und da quert man ein Feld oder einen Bach bevor es ab Lutterloh gen Norden in Richtung der nächsten Heideflächen geht. Bis hierher waren es schöne 16 Kilometer aber bis zur Hütte musste ich noch knapp 5 Kilometer zurücklegen. Mehr als rund 20 Kilometer wollte ich nicht einplanen, denn Ende Oktober wird es ja schon früher dunkel und hetzen wollte ich mich nun nicht. Zudem wollte ich mein Lager gerne bei Tageslicht einrichten. Gegen 16 Uhr bin ich dann an besagter Hütte angekommen. Wobei sich die „Hütte“ mehr als Unterstand für Wanderer entpuppte. An zwei Seiten geschlossen und mit einem Fahrradständer daneben. Aber schön am Rand einer großen Heidefläche gelegen. Allerdings musste ich feststellen, dass die Stelle nicht die war, an der wir im Sommer mit den Rädern vorbeigekommen waren. Aber egal. Sie lag perfekt für den Abschluss des ersten Tags. Perfekt auch als Standort für Jäger, um in den Heideflächen auf Pirsch zu gehen. Denn als ich ankam stand keine 30 Meter entfernt ein SUV mit einem Dackelaufkleber auf dem Heck. Für mich ein eindeutiges Signal, vielleicht erst mal kein Tarp aufzubauen. Also habe ich mir zuerst was Leckeres auf dem Kocher zubereitet und mich an einem warmen Abendessen erfreut. Da der Förster sich noch lange nicht blicken ließ habe ich dann entschieden, dass ich mich zum Schlafen einfach in den Unterstand lege. Wozu das Tarp aufbauen, wenn ich auch so im Trockenen liegen kann. Hätte ich das vorher gleich so einplanen können, hätte ich noch mal gut ein Kilo weniger Gewicht schleppen müssen. Den Abschluss des ersten Wandertages bildete dann ein ebenso farbenfroher Himmel mit einem schönen Abendrot kurz vor dem schon wieder abnehmenden Vollmond.

Morgenstund hat Gold im Mund

Normalerweise ist das nicht ganz mein Motto. Ich bin eher eine Nachteule und kein früher Vogel. Aber wenn man gezwungenermaßen schon um 20 Uhr in der Kiste, oder besser im Schlafsack liegt, dann wird man eben auch früher wach. Um kurz vor sechs Uhr war die Nacht dann auch vorbei. Aber früh aufstehen hat auch Vorteile. Man bekommt die ganz besondere Stimmung am Morgen mit, den Frühnebel beim Sonnenaufgang und das Licht. Man könnte es viel öfter genießen, wenn man nur früher aufstehen würde 😉 Ich habe mir dann erst einmal ein leckeres Rührei mit Zwiebeln von Trek’n Eat gemacht und einen Kaffee aufgebrüht. Okay, lecker war das Ei nicht wirklich. Aber es war heiss und hat meine müden Knochen etwas munterer gemacht. Den Rest hat der Kaffee besorgt. Nachdem alles wieder im Rucksack verstaut war, habe ich mich noch kurz im „Hüttenbuch“ verewigt und dann ging es weiter in Richtung Wasserquelle.

Auf dem Weg dorthin konnte ich einige schöne Eindrücke der frühmorgendlichen Heidelandschaft mitnehmen. Eigentlich hätte ich unterwegs gerne Rast bei dem kleinen Gartencafé „zur Heidehexe“ gemacht. Doch leider war ich außerhalb der Saison unterwegs. Ich hatte meinen Stop daher im nahegelegenen Ferienpark Heidesee geplant. Auf einem Campingplatz sollte es irgendwo Trinkwasser geben. Als ich auf das Gelände kam, fuhr eine ältere Dame auf einer Art Golfcaddy an mir vorbei. Auf meine Frage, wo ich Trinkwasser zapfen könne, meinte sie nur kurz, ich solle ihr einfach folgen. Sie war auf dem Weg zur Waschküche und bot mir an dort meine Flasche aufzufüllen. Sie war sehr nett und nach einem kurzen Plausch ging jeder wieder seiner Wege. Sie wohl eher an die Arbeit. Früh am Sonntag morgen.

Als nächsten Stop hatte ich den alten Bahnhof in Poitzen eingeplant. Dort hatten wir im August auch kurz Rast gemacht. Und ich wollte mir dort wieder eine leckere Currywurst mit Pommes gönnen. Als ich nach knapp 12 Kilometern dort ankam hatte ich echt einen riesen Hunger. Doch die Enttäuschung war umso größer als man mir sagte, dass sie eine geschlossene Gesellschaft hätten und keine zusätzlichen Gäste versorgen könnten. Pech gehabt.

Der Weg nach Poitzen folgt ein paar Mal dem Heidschnuckenweg, einem Weitwanderweg, der über 223 km von Hamburg-Fischbek bis Celle verläuft. 2014 wurde der Heidschnuckenweg sogar als „Deutschlands schönster Wanderweg“ ausgezeichnet. Wenn der gesamte Streckenverlauf so schön ist, wie die Teilstrecken, denen ich gefolgt bin, dann ist die Auszeichnung mehr als verdient.

Entlang der Örtze zurück zu Start und Ziel

Die letzten gut sieben Kilometer verliefen dann entlang der Örtze, nach Hermann Löns dem „echtesten Fluß der Heide“. Dort wurde ein FlußWalderlebnispfad eingerichtet, der an verschiedenen Stellen mal über Eisvögel, über Süßwasserperlen und über die Geschichte der Gegend informiert. Der Wanderweg ist schön angelegt und gut markiert. Man läuft die meiste Zeit direkt am Flußlauf entlang, auf weichem Boden durch Nadelwälder und es gibt viele tolle Stellen zum Verweilen und die Natur auf sich wirken lassen. Kurz vor Müden (Örtze) verläuft die Örtze direkt am Heidesee an dem man auch wieder die ersten Spaziergänger sieht. Hauptsächlich ältere Menschen, die ihrem sonntäglichen Rundgang frönen. Der See bietet sich auch für eine kleine Rast zum Entspannen an. Den restlichen Weg bis Hermannsburg habe ich dann die Örtze inspiziert, denn sie ist auch ein hervorragendes Paddelrevier. Wir sind vor einigen Jahren schon mal das letzte Stück der Örtze bis zur Aller gepaddelt. Aber die paddelbare Strecke ist viel länger und die wollen wir vielleicht nächstes Jahr einmal angehen. Ein paar schöne Anlegestellen habe ich mir auf alle Fälle schon mal gemerkt. Und zurück in Hermannsburg stand mein Wagen ja direkt an einer offiziellen Anlegestelle.

Ein schönes Wander-Wochenende in der Südheide

Rückblickend muss ich sagen, war es eine echt tolle Herbst-Tour, die mir viel Spaß gemacht hat und deren Wiederholung sich auch zu anderen Jahreszeiten lohnt (Stichwort Heideblüte). Der zweite Tag war naturgemäß etwas anstrengender. Vielleicht passe ich beim nächsten Mal den Track des zweiten Tages auch etwas an. Aber die 40 Kilometer sind eigentlich ganz gut zu laufen. Und wenn man in Poitzen die Currywurst bekommt, dann läuft sich die Strecke noch viel leichter! Das Wetter war perfekt, nicht zu warm aber sonnig, so dass die Herbstfarben einen tollen Rahmen ergaben. Am ersten Tag überwiegen die Heideflächen. Der zweite Tag ist geprägt von Wald und Wasser. Auf alle Fälle bietet die Strecke sehr viel Abwechslung. Wer sich für die Tour interessiert, der kann sich bei Gpsies meinen GPX-Track herunterladen.

Bei meinen letzten Touren habe ich immer wieder versucht meine Ausrüstung zu optimieren bzw. meine Packliste. Auch dieses Mal habe ich versucht mit meinem Daypack auszukommen. Das hat auch wieder ganz gut geklappt. Für eine 2-Tages-Tour braucht man ja nicht so viel Zeug. Wie man auf dem Foto sieht, nehmen Schlafsack, Klamotten und der Wassersack den meisten Platz in Anspruch. Würde ich die gleiche Tour mit anderer Ausrüstung gehen? Zum Teil. Nachts waren es nur knapp 4°C, das wäre auch mit meinem Kunstfaserschlafsack gegangen. Der Daunenschlafsack war doch etwas warm 🙂 Und wenn man die Location kennt, kann man tatsächlich das Tarp zu Hause lassen. Auch wenn das DD Tarp nur gut 500g wiegt. Ansonsten habe ich für solche Touren schon ein ganz gutes Setup zusammengestellt. Und es soll ja vorerst keine neue Ausrüstung dazukommen.

Ich will solche Solo-Touren künftig öfter unternehmen. Ich bin zwar auch gerne mit anderen unterwegs. Aber wo andere meditieren, laufe ich eben lieber alleine durch die Natur. Mir hilft sowas enorm zum Abschalten, lästige Gedanken loszuwerden oder auch neue Ideen zu entwickeln.

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